
Der Spritz gilt heute als das Symbol des venezianischen Aperitifs, seine Ursprünge reichen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zurück. Während der Herrschaft des Habsburgerreiches in Venetien waren die dort stationierten österreichischen Soldaten und Beamten die kräftigen lokalen Weine nicht gewohnt. Um sie leichter trinkbar zu machen, baten sie darum, den Wein mit Wasser zu „bespritzen“.
Von diesem Brauch leitet sich auch der Name ab: Das deutsche Verb „spritzen“ bedeutet „etwas mit einem Spritzer versehen“. Der ursprüngliche Spritz bestand daher lediglich aus Weißwein und einem Schuss Wasser.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Rezept. Aus dem einfachen Wein-Wasser-Gemisch entstand ein Aperitif, dem zunehmend Bitterliköre hinzugefügt wurden. Besonders in Venedig entwickelten sich verschiedene Varianten, die bis heute nebeneinander existieren.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist Aperol nicht die einzige und auch nicht die ursprüngliche Zutat des venezianischen Spritz. Tatsächlich bevorzugen viele Venezianer andere Bitterliköre, die tief in der lokalen Tradition verwurzelt sind.
In Venedig gibt es nicht den einen „richtigen“ Spritz. Je nach Bar, Stadtviertel und persönlichem Geschmack werden unterschiedliche Bitterliköre verwendet. Zu den bekanntesten Varianten gehören:
Welche Variante die „beste“ ist, darüber sind sich selbst die Venezianer nicht einig. Genau diese Vielfalt macht den Spritz zu einem festen Bestandteil der venezianischen Aperitifkultur.
Für die Venezianer ist der Spritz weit mehr als ein Cocktail. Er steht für Geselligkeit und das tägliche Zusammensein. Am späten Nachmittag treffen sich Freunde, Familien und Kollegen in den traditionellen Bars und Osterien der Stadt, um gemeinsam den sogenannten Aperitivo zu genießen.
Serviert wird der Spritz häufig mit Cicchetti, den typischen venezianischen Häppchen, darunter Baccalà Mantecato, Polpette oder kleine belegte Brote.
Besonders lebendig ist die venezianische Aperitiftradition rund um den Campo Santa Margherita im Stadtteil Dorsoduro sowie entlang der Fondamenta degli Ormesini und der Fondamenta della Misericordia in Cannaregio. Hier treffen sich Einheimische und Besucher, um die entspannte Atmosphäre der Stadt bei einem Glas Spritz zu genießen.
Nein. Der ursprüngliche Spritz bestand lediglich aus Wein und Wasser. Die Verwendung von Bitterlikören entwickelte sich erst später. In Venedig gilt insbesondere der Select Spritz als traditionelle Variante.
Neben Aperol werden vor allem Select und Cynar für die Zubereitung eines Spritz verwendet.
Der Name stammt vom deutschen Verb „spritzen“ und erinnert an die österreichische Gewohnheit, Wein mit Wasser zu verdünnen.
Die Vielfalt der Rezepturen, die Verbindung zu den Cicchetti und seine Rolle als tägliches gesellschaftliches Ritual machen den Spritz zu einem festen Bestandteil der venezianischen Identität.