Spritz in Venedig: Tradition und venezianische Aperitifkultur

Spritz in Venedig - Air Dolomiti

Woher stammt der Spritz?

 

Der Spritz gilt heute als das Symbol des venezianischen Aperitifs, seine Ursprünge reichen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zurück. Während der Herrschaft des Habsburgerreiches in Venetien waren die dort stationierten österreichischen Soldaten und Beamten die kräftigen lokalen Weine nicht gewohnt. Um sie leichter trinkbar zu machen, baten sie darum, den Wein mit Wasser zu „bespritzen“.

Von diesem Brauch leitet sich auch der Name ab: Das deutsche Verb „spritzen“ bedeutet „etwas mit einem Spritzer versehen“. Der ursprüngliche Spritz bestand daher lediglich aus Weißwein und einem Schuss Wasser.

 

Wie entwickelte sich der venezianische Spritz?

 

Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Rezept. Aus dem einfachen Wein-Wasser-Gemisch entstand ein Aperitif, dem zunehmend Bitterliköre hinzugefügt wurden. Besonders in Venedig entwickelten sich verschiedene Varianten, die bis heute nebeneinander existieren.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist Aperol nicht die einzige und auch nicht die ursprüngliche Zutat des venezianischen Spritz. Tatsächlich bevorzugen viele Venezianer andere Bitterliköre, die tief in der lokalen Tradition verwurzelt sind.

 

 

Typische Spritz-Varianten in Venedig

 

In Venedig gibt es nicht den einen „richtigen“ Spritz. Je nach Bar, Stadtviertel und persönlichem Geschmack werden unterschiedliche Bitterliköre verwendet. Zu den bekanntesten Varianten gehören:

  • Spritz Select: Für viele Venezianer ist dies die traditionelle Variante. Der Bitterlikör Select wurde 1920 in Venedig entwickelt und überzeugt mit würzigen Kräuteraromen. Serviert wird er meist mit Prosecco, Soda und einer grünen Olive.
  • Spritz Campari: Wer einen intensiveren und bittereren Geschmack bevorzugt, greift häufig zu Campari. Diese Variante zeichnet sich durch ihre kräftigen Kräuternoten und ihre tiefrote Farbe aus.
  • Spritz Aperol: Die international bekannteste Version. Aperol verleiht dem Getränk seine leuchtend orange Farbe und einen angenehm süß-bitteren Geschmack. Seit den 2000er-Jahren hat sich der Aperol Spritz weltweit als Symbol der italienischen Aperitifkultur etabliert.
  • Spritz Cynar: Diese Variante wird mit dem Kräuterbitter Cynar zubereitet, dessen Rezept auf Artischocken basiert. Der Geschmack ist deutlich herber und weniger süß als beim Aperol Spritz. Besonders bei Einheimischen ist der Cynar Spritz sehr beliebt.
  • Spritz Bianco: Eine schlichtere Version, die näher an den historischen Ursprüngen des Getränks liegt. Sie wird oft nur mit Weißwein oder Prosecco und einem Schuss Soda zubereitet.

Welche Variante die „beste“ ist, darüber sind sich selbst die Venezianer nicht einig. Genau diese Vielfalt macht den Spritz zu einem festen Bestandteil der venezianischen Aperitifkultur.

 

Der Spritz als venezianisches Ritual

 

Für die Venezianer ist der Spritz weit mehr als ein Cocktail. Er steht für Geselligkeit und das tägliche Zusammensein. Am späten Nachmittag treffen sich Freunde, Familien und Kollegen in den traditionellen Bars und Osterien der Stadt, um gemeinsam den sogenannten Aperitivo zu genießen.

Serviert wird der Spritz häufig mit Cicchetti, den typischen venezianischen Häppchen, darunter Baccalà Mantecato, Polpette oder kleine belegte Brote.

 

 

Wo erlebt man die Spritz-Kultur in Venedig?

 

Besonders lebendig ist die venezianische Aperitiftradition rund um den Campo Santa Margherita im Stadtteil Dorsoduro sowie entlang der Fondamenta degli Ormesini und der Fondamenta della Misericordia in Cannaregio. Hier treffen sich Einheimische und Besucher, um die entspannte Atmosphäre der Stadt bei einem Glas Spritz zu genießen.

 

 

FAQ Spritz

Ist Aperol der originale Spritz?

Nein. Der ursprüngliche Spritz bestand lediglich aus Wein und Wasser. Die Verwendung von Bitterlikören entwickelte sich erst später. In Venedig gilt insbesondere der Select Spritz als traditionelle Variante.

 

Welcher Bitterlikör wird in Venedig verwendet?

Neben Aperol werden vor allem Select und Cynar für die Zubereitung eines Spritz verwendet.

 

Warum heißt der Spritz „Spritz“?

Der Name stammt vom deutschen Verb „spritzen“ und erinnert an die österreichische Gewohnheit, Wein mit Wasser zu verdünnen.

 

Was macht den venezianischen Spritz besonders?

Die Vielfalt der Rezepturen, die Verbindung zu den Cicchetti und seine Rolle als tägliches gesellschaftliches Ritual machen den Spritz zu einem festen Bestandteil der venezianischen Identität.

Andere Reisetipps